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Investoren finden leichtgemacht

Die besten Tipps, Tricks und Events: Wo Start-ups Geldgeber finden.

Viele Start-up-Gründer haben eine großartige Idee, aber leere Taschen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Investoren, die händeringend nach guten Investitionsmöglichkeiten in der Start-up-Szene suchen: Business Angels, Inkubatoren und Acceleratoren. Wer ein paar Vorgehensweisen und Adressen kennt, hat ausgzeichnete Chancen, den passenden Investor für sein Start-up zu finden. 

Investor finden
Photo by Evergreens and Dandelions on Unsplash

1. Zuerst die passenden Investoren recherchieren

Die Investorenszene ist vielfältig und unübersichtlich. Daher sollten sich Start-up-Gründer, bevor sie irgendwelche Investoren angehen, gründlich überlegen, welche zu ihnen am besten passen. Dabei gibt es zunächst drei Kriterien festzuhalten:

Unternehmensphase

Einige Geldgeber investieren nur in einzelnen Phasen eines Start-ups. Von der Pre-Seed- (Orientierungsphase), über die Seed- (Planungsphase), bis hin zur Gründungsphase und der 1./2,/3. usw. Finanzierungsrunde steigt der Kapitalbedarf beträchtlich. Manche Risikokapitalgeber haben nur einen kurzfristigen Investitionshorizont, andere einen mittel- oder längerfristigen.

Branche

Viele Investoren sind tatsächlich bereit ihr Kapital auch in Branchen oder Segmente zu stecken, von denen sie keine Ahnung haben. Dennoch gibt es welche, die ausschließlich in Medizintechnik, Software oder Fintechs investieren. Ein Blick in das Investmentportfolio eines Investors gewährt hier wichtige Einsichten.

Regionale Schwerpunkte

Noch immer gibt es Investoren, die ihr Kapital lediglich in Unternehmen aus ihrer Herkunftsregion stecken. Dies ist namentlich bei den Beteiligungsgesellschaften der Förderbanken der Fall, die oft bestimmten Ländern gehören: wie etwa die NRW.Bank dem Land Nordrhein-Westfalen.

Auch ausländische Investoren sollten auf keinen Fall vergessen werden. Denn Geldgeber aus London, der Schweiz oder sogar Übersee haben längst den deutschen Markt für sich entdeckt und im Ausland herrschen oft weniger Bedenken, wenn es um Risikoinvestitionen geht. In diesen Fällen wird jedoch eine Kommunikation auf Englisch erwartet.

Sechs wichtige Fragen zur Investorensuche

  • Wie viel Geld braucht ihr? Manche Investoren finanzieren nur kleine Summen, andere nur große.
  • Passt euer Start-up zum Portfolio des Investors?
  • Wie erfolgreich war der Investor in der Vergangenheit?
  • Konzentriert sich ein Investor nur auf bestimmte Länder oder Regionen?
  • Steckt ein Investor sein Geld nur in bestimmte Branchen oder Sektoren?
  • Ist der Investor seriös oder gibt es negative Presseberichte?

2. Die unterschiedlichen Arten von Investoren

Es gibt eine ganze Reihe von Investoren. Umso wichtiger ist es, die einzelnen  Typen und ihre Unterschiede zu kennen.

Bootstrapping

Nicht jeder braucht einen Investor. Gründer können ihr Start-up vor allem in der Vorgründungs- und Gründungsphase vollständig aus der eigenen Tasche finanzieren, was als Bootstrapping bezeichnet wird. Sofern das Start-up schnell Geld abwirft, kann das das Mittel der Wahl sein. Denn so muss man keine Anteile an Investoren abgeben und niemand kann einem ins Geschäft hineinreden.

Family, Friends & Fools

„Familien, Freunde und Verrückte“, so wird die Finanzierung über den Familien- und Bekanntenkreis bezeichnet. Dabei müssen aber die Verwandten und Bekannten wissen, worauf sie sich einlassen: Es besteht das Risiko hoher Verluste, was das persönliche Verhältnis vergiften kann. Auch diese Finanzierung ist vor allem für die Vorgründungs- und Gründungsphase geeignet.

Business Angels

Bei Business Angels handelt es sich meist um ehemalige Unternehmer, die in Start-ups in der Frühphase investieren. Neben Kapital stehen sie den Start-ups mit Management-Know-how und wichtigen Kontakten zur Seite. Sie investieren üblicherweise in der Gründungsphase.

Acceleratoren und Inkubatoren

Acceleratoren helfen Start-ups ihre Geschäftsidee in ein marktgängiges Produkt zu verwandeln. Sie geben oftmals etwas Startgeld und bieten Coaching und Kontakte an, wofür ein kleiner Anteil am Unternehmen verlangt wird. Inkubatoren sind ganz ähnliche Einrichtungen, die meist allerdings an einer längerfristigen Begleitung des Start-ups interessiert sind.

Venture Capital-Fonds

Es handelt sich um Fonds, die bewusst Risikokapital in junge Unternehmen investieren, um so eine Extrarendite gegenüber traditionellen Anlageformen wie Private Equity- oder Aktienfonds zu erzielen, was als „generating Alpha“ bezeichnet wird. Venture Capital-Fonds steigen meist erst ein, wenn das Start-up in die Wachstumsphase übergeht und einen hohen Finanzbedarf für die Skalierung des Geschäftsmodells hat.

3. Wie Gründer Investoren finden

Zunächst einmal muss eine Verkaufspräsentation, das Pitch Deck, erstellt werden. Darin sind sämtliche für die Investoren relevanten Informationen enthalten. Normalerweise sollte der Gründer vorgeschickt werden, der das größte Verkaufstalent besitzt. Wichtig ist, die Geschäftsidee so darzustellen, dass auch technische Laien das Konzept verstehen, denn das sind die Investoren meist.

Direkte Ansprache von Investoren

Natürlich können Gründer potenzielle Investoren direkt ansprechen. Damit dies gelingt, muss allerdings minutiös recherchiert werden, ob der Investor tatsächlich zum Start-up in Bezug auf Kapitalbedarf und Branchenexpertise passt. Der einfachste Weg dazu: Man schaut sich die Struktur des bestehenden Investmentportfolios an. Wer dazu passt, hat gute Chancen.

Networking online/offline

Der Kontaktaufbau ist für jeden Unternehmensgründer Pflicht. So können potenzielle Investoren, Kunden und Geschäftspartner über die beruflichen Netzwerke kontaktiert werden. Allerdings hat sich häufig die persönliche Kontaktaufnahme z.B. bei den diversen Veranstaltungen des Start-up-Ökosystems besser bewährt. Das persönliche Kennenlernen zählt einfach mehr als noch so viele LinkedIN-Kontakte. Doch Vorsicht: Bei den Veranstaltungen und noch mehr im Internet tummeln sich regelmäßig auch weniger seriöse Gestalten.

Gründerwettbewerbe

Ein hervorragender Weg Investoren zu finden, besteht in der Teilnahme an Gründerwettbewerben. Denn bei diesen Veranstaltungen geht es weniger darum, irgendwelche Preisgelder abzustauben. Vielmehr werden die Teilnehmer so potenziellen Investoren, Geschäftspartnern und Kunden bekannt. Jeder gewonnene Preis stellt für Investoren gewissermaßen ein Qualitätssiegel dar.

Zur Datenbank für Gründerwettbewerbe

Wir wollten Investoren, die uns Multiplikatoreffekte versprechen. Kann uns z.B. jemand Zugang zu den USA verschaffen? Viele Investoren sind auch auf uns zugekommen. Dabei hat geholfen, wenn man bei den Top 50 Start-ups aufgelistet ist. Pitch-Training, Geduld und langer Atem – das braucht man für den Erfolg.

Hans Elstner, Gründer und Vorstandsvorsitzender der rooom AG

4. Events, auf denen sich Investoren tummeln

Pitching-Events, Gründerstammtische und Konferenzen: Es gibt eine Vielzahl von Events, auf denen Start-up-Gründer Investoren finden können.

BayStartUP Venture Conferences

BayStartUP ist die zentrale Fördereinrichtungen Bayerns für Start-up-Gründer. Zum Programm zählt u.a. die BayStartUP-Venture Conference, die Start-ups und Risikoinvestoren alljährlich zusammenbringt.

Bits & Pretzels Founders Festival

Bits & Pretzels veranstaltet jährlich ein Founders Festival in München. Diese hochkarätig besuchte Veranstaltung verzeichnet nach eigenen Angaben 5000 Teilnehmer.

Business Angel-Stammtische in Deutschland

In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Business-Angel-Netzwerken, die auch diverse Veranstaltungen anbieten, bei denen sich Investoren blicken lassen. Dazu gehören beispielsweise die Business Angel-Stammtische.

Cashwalk

Die German Entrepreneurship GmbH veranstaltet einmal im Jahr ein Online-Pitching, den Cashwalk, welcher Investoren und Start-up-Gründer virtuell zusammenbringt.

DLD (Digital – Life – Design) Konferenz

Die DLC Conference will Industrie, Wissenschaft, Technik und Kunst zusammenbringen. Derzeit findet sie virtuell von München aus statt.

EBSpreneurship Forum

Das EBSpreneurship Forum ist das Start-up-Event der European Business School in Oestrich-Winkel.

IdeaLab

IdeaLab ist die Start-up-Konferenz der WHU in Vallendar.

Innovation Day

Der „Weltmarktführer Innovation Day" in Erlangen wendet sich an den deutschen Mittelstand mit seinen diversen Hidden Champions. Doch auch Start-ups finden hier Investoren.

Investforum Pitch Day

Alljährlich veranstaltet das Investforum aus Sachsen-Anhalt einen Pitch Day unter dem Motto „Innovation trifft auf Kapital".

Investor Days Thüringen

Die Investor Days Thüringen bringen die Start-up-Szene aus dem Bundesland zusammen. 2021 wurden etwa 500 Teilnehmer verzeichnet, darunter 165 VC-Investoren und Business Angels. 36 Start-ups konnten ihre Ideen pitchen.

Karlsruher Venture Day

Der Venture Day richtet sich an Start-ups-Gründer aus dem digitalen Geschäft. Jeder Teilnehmer bekommt sieben Minuten Zeit, um seine Idee vor Venture Capitalists und Business Angels zu präsentieren.

Seven Ventures Pitch Day

Seven Ventures ist der Inkubator von ProSiebenSat1 und organisiert alljährlich einen Pitch Day für Start-ups aus dem Medienumfeld.

Start-up BW Elevator Pitch Day

Auf dem Start-up BW Elevator Pitch Day können Start-ups aus Baden-Württemberg ihre Ideen vor Investoren pitchen.

VC-Stammtisch Düsseldorf

Schon seit 1996 treffen sich Investoren regelmäßig zum VC-Stammtisch Düsseldorf.

„Es kommt unglaublich oft vor, dass Gründer in eine Idee verliebt sind und dabei übersehen, mit welchem Geschäftsmodell sie überhaupt Geld verdienen wollen."

Dr. Roland Kirchhof, Co-Vorstand des BAND

5. Die klassischen Fehler bei der Investorensuche

Eine unzureichende Recherche zu den Investoren ist besonders ärgerlich, weil vermeidbar. Wenn die kontaktierten Investoren offensichtlich nicht zum Start-up passen, dann haben Gründer ganz schlechte Karten. Dies kann an recht unterschiedlichen Kriterien liegen wie der Höhe des Kapitalbedarfs, der Unternehmensphase oder der Branche.

Schlechte Pitching-Unterlagen

Vor dem Kontakt zu Investoren müssen die Verkaufsunterlagen wie das „Pitch Deck“, ggf. das Business Modell Canvas, der Businessplan, der Finanzplan und das Cap Table sorgfältig erstellt werden. Schlampige Unterlagen sind für viele Investoren ein Ausschlusskriterium.

Mit den Unterlagen um sich werfen

Bevor das Pitch Deck verschickt wird, sollten Gründer ganz genau recherchieren, ob der Investor tatsächlich infrage kommt. Vor dem Absenden sollte schon mit dem Investor ein Kontakt hergestellt sein. Ein Investor blickt meist nur einmal auf die Unterlagen; eine zweite Chance gibt es selten. Bloß kein Pitch Deck-Spamming!

Zu geringe oder zu hohe Bewertungen

Die Bewertung eines Start-ups muss zwar ambitioniert, aber realistisch sein. Falls die Unternehmensbewertungen unrealistisch hoch oder sehr niedrig ausfallen, stellt dies oft ein weiteres Ausschlusskriterium dar. Denn ein Investor will natürlich nicht zu viel zahlen, aber doch in ein Wachstumsunternehmen investieren. Das kann schon zu einem Balanceakt führen.

Chemie im Gründerteam passt nicht

Investoren wollen zwei oder mehrere Gründer sehen. Üblicherweise müssen die Bereiche Produkt bzw. Technik, kaufmännische Aufgaben und Vertrieb vom Gründerteam abgedeckt sein. Die richtige Chemie und ein gutes Gründerteam sind für viele Investoren das entscheidende Kriterium für ein Investment. Motto: „Lieber eine mittelmäßige Geschäftsidee mit einem erstklassigen Team als eine erstklassige Idee mit einem mittelmäßigen Team.“

6. Wie es mit dem gefundenen Investor weitergeht

Ist erst einmal das Interesse eines Investors geweckt, geht es erst richtig los. Denn dann stehen die Verhandlungen an. Dabei hat sich ein branchenübliches Procedere entwickelt:

Letter of Intent

Mit einem „Letter of Intent“ oder einem „Memorandum of Understanding“ bekundet ein Investor förmlich sein Interesse an einem Start-up. Das Dokument ist zwar rechtlich nicht bindend, enthält aber wichtige Regelungen zum weiteren Vorgehen wie die Vereinbarung von Exklusivität und Vertraulichkeit.

Term Sheets

Die tatsächlichen Verhandlungen finden in den „Term Sheets“ statt, mit dem der jeweilige Verhandlungsstand rund um Bewertung, Höhe der Beteiligung etc. ausgetauscht wird. Obgleich die „Term Sheets“ rein rechtlich unverbindlich sind, dürfen sie doch nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn in ihnen werden wichtige Vorentscheidungen für den Beteiligungsvertrag getroffen.

Beteiligungsvertrag

Im Beteiligungsvertrag wird schließlich rechtlich verbindlich der Einstieg des Investors bis ins Detail geregelt. Kernpunkte sind die Bewertung des Start-ups, die Höhe der Investition und die Höhe der Unternehmensanteile, die der Investor für sein Geld erhält.

Kosten Patente

7. Fazit: Hauptsache es passt

Im Grunde laufen die ganzen Tipps und Ratschläge zur Investorensuche auf eine simple Botschaft hinaus. Die Interessen der Investoren und der Gründer müssen zueinander passen. Besonders im Risikokapitalgeschäft beobachten die Geldgeber die Vorgänge in ihren Unternehmen ganz genau und nehmen gerne Einfluss auf das operative Geschäft. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur ein Interessengleichschritt zwischen Investoren und Gründern besteht, sondern dass es auch in der alltäglichen Zusammenarbeit passt. Damit dies der Fall ist, führt bei der Investorensuche kein Weg an einer eingehenden Recherche und Vorbereitung vorbei.

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