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Der schnellste Weg zum optimalen Cap Table für Start-ups

Der Capitalization Table, kurz Cap Table, wird von vielen Start-ups-Gründern oft stiefmütterlich behandelt und lediglich als Anhang von Term Sheets oder Beteiligungsvertrag verstanden. Eine solche Aufstellung zeigt eigentlich nur, wem wie viele Anteile an dem Unternehmen gehören. Bei drei Gründern und etwas Geld von Oma und Opa, Mutti und Papi lässt sich leicht der Überblick bewahren. Doch sobald ein Business Angel oder ein anderer professioneller Investor hinzukommt, dann ist ein professioneller Cap Table nicht nur Pflicht, sondern auch längst nicht mehr so leicht zu erstellen.

Weg zu Cap Table
Photo by Diego Jimenez on Unsplash

1. Nicht zu früh zu viele Anteile abgeben

Laut Patrick Hümmer, Co-Founder von Ventury Analytics in Nürnberg, gibt es zwei Faustregeln, die jeder Start-up-Gründer beherzigen sollte. Die erste lautet: „Gebt nicht zu früh zu viele Anteile ab.“ Zwar sei es OK, den Geldgebern aus dem privaten Umfeld, den sogenannten Family, Friends and Fools, für ihr finanzielles Engagement einige Prozent des Unternehmens zu überlassen, dennoch sollten Gründer gerade in der frühen Finanzierung ihre Anteile zusammenhalten.

Ansonsten würden die eigenen Anteile der Gründer nach der Finanzierung durch Family, Friends and Fools (1), Business Angels (2) und vielleicht noch einer ersten Venture Capital Finanzierungs-Runde (3) rasch unter die magische Grenze von 75 oder gar 50 Prozent fallen. „Viele Venture Capital-Investoren schrecken zurück, wenn der Unternehmensanteil der Gründer schon sehr früh unter diese Marke fällt“, betont Hümmer. Schließlich würden professionelle Investoren in die Zukunft schauen und sich fragen: „Wie viele Finanzierungsrunden brauchen wir noch?“ Um bei Series B- oder C-Finanzierungen zum Zuge zu kommen, müssten später noch genügend Anteile für neue Investoren bereitstehen.

Wenn die Gründer in die Rolle eines Minderheitengesellschafters gerieten, stelle dies eine „negative Incentivierung“ dar. Da über das Wohl und Weh von Start-ups regelmäßig die Qualität und Motivation des Gründerteams entscheidet, stellt dies für professionelle Investoren meist ein rotes Tuch dar. So haben auch Investoren ein begründetes Eigeninteresse an einem hohen Gründeranteil.

2. Die Anteile an nicht zu viele Personen abgeben

Damit eng verbunden ist das Problem der Mitspracherechte. Schon wenn man vier Gründer und sechs Investoren aus dem Familienkreis hat und alle Anteile besitzen, können die Mitspracherechte schnell den Entscheidungsspielraum eines Start-ups einengen. Dies wiegt umso schwerer, wenn die Personen auch noch wenig Ahnung vom Geschäft haben.

Auch dies stellt ein rotes Tuch für Geldgeber dar. „Ein professioneller Investor möchte nicht mit zu vielen Leuten an einem Tisch sitzen, das erschwert Abstimmungsprozesse“, warnt Hümmer. „Denn ein Start-up muss handlungsschnell und flexibel bleiben.“ Um die Reaktionsfähigkeit zu wahren, sollten Investoren möglichst gepoolt werden. Es gibt also nur einen Ansprechpartner für mehrere Investoren. Auf diese Weise spricht eine Investorengruppe mit einer Stimme und kein Einzelinvestor kann Entscheidungen blockieren. „Daher gilt es, den Cap Table sauber zu halten“, betont Hümmer.

3. Wann eine Excel-Tabelle nicht mehr genügt

Solange nur Gründer, Familie, Business Angels und vielleicht noch ein weiterer Investor Anteile am Start-up halten, ist die Sache noch so übersichtlich, dass ein einfaches Excel-Spreadsheet genügt, meint Hümmer. Schwieriger werde es, wenn weitere Finanzierungsrunden anstehen, Mitarbeiterbeteiligungen oder Wandeldarlehen vergeben würden. An diesem Punkt angelangt empfiehlt Hümmer zu digitalen Lösungen überzugehen, die der Komplexität eher gewachsen seien.

Patrick Hümmer, Ventury Analytics

Ein Cap Table ist ein Steuerungsinstrument zur Planung künftiger Finanzierungsrunden bis hin zum Exit.

Patrick Hümmer, Ventury Analytics

4. Die bösen Stolperfallen bei Cap Tables

Doch neben einem tieferen Verständnis für die strategische Bedeutung der Cap Tables stolpern Gründer oft über kleine, aber mitunter folgenschwere Fehler. „So kommen einfache Rechenfehler häufig vor“, berichtet Hümmer aus der Praxis. Bei Wandeldarlehen würden gelegentlich die Zinsen vergessen oder falsch berechnet. In einem solchen Fall empfiehlt der Experte, sich die Zinsformel aus dem Darlehensvertrag genau anzuschauen.

Namentlich bei Cap Tables in Excel drohen darüber hinaus auch noch Versionsfehler. „Da haben dann Gründer, Business Angel und Investoren unterschiedliche Versionen der Excel-Tabelle, weil Veränderungen nur in einer Version vorgenommen wurden“, erzählt Hümmer. So etwas sorge für Fehler und Verwirrung. Daher empfiehlt Hümmer auf digitale Lösungen für Cap Tables zurückzugreifen, sobald im Laufe des Wachstums das Cap Table unübersichtlicher wird. Durch die zentrale Ablage einer Digitalisierungslösung sei überdies das Risiko unterschiedlicher Versionen gebannt.

5. Verschiedene Szenarien simulieren

Um zu einem tieferen Verständnis komplexerer Cap Tables zu gelangen, rät Hümmer zu Simulationen. „Gründer denken oft nur an heute und die nächste Finanzierungsrunde, nicht aber an den Exit.“ Dagegen würden potenzielle Investoren immer schon einen möglichen Exit ins Auge fassen, bevor sie überhaupt nur einen Cent zahlen. Daher rät Hümmer vor Finanzierungsrunden mögliche Auswirkungen auf den Cap Table mit Simulationen und Modellen durchzuspielen.

„Ein Cap Table ist ein Steuerungsinstrument zur Planung künftiger Finanzierungsrunden bis hin zum Exit“, schließt Hümmer. „Ein Cap Table dient nicht nur dazu, die Eigentumsverhältnisse zu klären, sondern auch um zu verstehen, wo die Reise hingeht und wie die Equity Story lautet.“

6. Muster für einen Cap Table

Mit Excel beginnt alles: Für die erste Zeit genügt für einen Cap Table meist eine einfache Excel-Tabelle aus.

Founder: Auf der Y-Achse (also von oben nach unten) werden zunächst die verschiedenen Gründer (Founder) mit ihrem jeweiligen Unternehmensanteil aufgelistet und zwar sowohl in Prozent als auch mit ihren absoluten Anteilen. Bei einer GmbH gibt es oft entsprechend ihres Gründungskapitals von nominal 25.000 Euro auch 25.000 Anteile.

Investoren: Darunter folgen auf der Y-Achse die verschiedenen Investoren mit ihren Anteilen ebenfalls in Prozent und absoluten Unternehmensanteilen.

Die Zeitachse: Die X-Achse (also von links nach rechts) gibt die verschiedenen Finanzierungsrunden in chronologischer Reihenfolge wieder wie z.B. Gründer (1), Family, Friends and Fools (2), Business Angels (3), die erste Finanzierungsrunde eines Venture Capital Fonds (4, A-Runde) usf.

Kopfzeile: in der Kopfzeile des Cap Tables wird wiederum festgehalten, wie viel Geld eine Finanzierungsrunde für wie viele Anteile einbringt und wie hoch der Preis der Anteile ausgefallen ist.

Fußzeile: Hier werden die Summen der jeweiligen Spalten aufaddiert, so dass beispielsweise bei der prozentualen Anteilsverteilung unter dem Strich 100 Prozent herauskommt.

Eine Cap Table-Vorlage lässt sich beim German Standard Setting Institute kostenlos herunterladen.

7. Fazit

Start-ups-Gründer sollten nicht zu viele Anteile zu früh abgeben und zusehen, dass die Stimmrechte von mehreren Investoren möglichst gebündelt werden, damit Platz für neue Investoren und das Unternehmen agil bleibt. Außerdem sollten sie auf den Punkt achten, wann eine einfache Excel-Tabelle nicht mehr ausreicht, sondern eine digitale Lösung erforderlich wird. Schließlich handelt es sich bei einem Cap Table nicht nur um eine lästige Plicht, sondern um ein wichtiges Planungsintrument eines jeden Start-ups.

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