Die zehn spannendsten Börsengänge von Start-ups aus den letzten fünf Jahren

Nur wenige neu gegründete Unternehmen schaffen es an die Börse und dann fällt auch noch die Performance oft bescheiden aus.

Welcher Start-up-Gründer träumt nicht davon, sein Unternehmen in nicht allzu ferner Zukunft an die Börse zu bringen und in die exklusive Liga der Milliardäre aufzusteigen? Doch bei den meisten Gründern platzt dieser Traum rasch. Tatsächlich handelt es sich bei einem Börsengang um eine sehr seltene Exit-Strategie.

Selbst in den wenigen Fällen, in denen ein Start-up an der Börse endet, wird noch lange kein Traum wahr. Zumeist fällt die Börsenperformance nach dem Initial Public Offering (IPO) bescheiden aus, wie ein Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre belegt. Dazu haben wir die Performance zwischen dem IPO und dem Schlusskurs per Ende Juni 2022 berechnet.

In der neuen Berechnung ist auch der heftige Börseneinbruch enthalten, der aus dem Einmarsch Putins in die Ukraine resultiert. Doch auch hier gilt die alte Börsenregel: „Wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer ohne Badehose dasteht.“

Handelssaal Deutsche Börse
Im Handelssaal der Deutschen Börse (Foto: Deutsche Börse AG)

1. Zehn Börsengänge und ihre Performance

Trivago: -88 Prozent

Die Hotelvergleichsplattform Trivago wagte sich am 19. Dezember 2016 zu einem Ausgabepreis von 12 Euro an die Börse. Seither ist die Aktie um 88 Prozent auf 1,43 Euro abgestürzt.

Home24: -87 Prozent

150 Mio. Euro hat der Onlinemöbelhändler bei seinem Börsengang am 15. Juni 2018 eingesammelt. Der Ausgabepreis lag bei 28,50 Euro. Seit dieser Zeit hat sich der Börsenkurs um 87 Prozent auf 3,57 Euro minimiert.

Fashionette: -85 Prozent

Fashionette ist ein Onlinehändler für Luxushandtaschen und ging am 29. Oktober 2020 an die Börse. Seither ist der Ausgabekurs von 29 Euro auf 4,29 Euro abgestürzt. Folglich mussten Investoren einen Wertverlust von 85 Prozent verkraften. Immerhin brachte der Börsengang 112 Mio. Euro ein.

Mister Spex: -77 Prozent

Erst Anfang Juli 2021 ist der Online-Optiker Mister Spex an die Börse gegangen. Bei einem Ausgabekurs von 25 Euro je Aktie sammelte das ehemalige Berliner Start-up die Kleinigkeit von 375 Mio. Euro ein. Doch per Ende Juni 2022 war die Aktie nur noch 5,68 Euro wert, was einem Minus von 77 Prozent in etwa einem Jahr entspricht.

Curevac: -64 Prozent

2020 wurde Curevac noch als Deutschlands Geheimwaffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie betrachtet. Zwischenzeitlich hat der Impfstoff mit einer enttäuschenden Schutzwirkung gefloppt. Das gilt übrigens auch für den Aktienkurs. Nachdem der Wert am 14. August 2020 einen Ausgabepreis von 36 Euro erzielte, ist er bis Ende Februar 2022 auf 13,01 Euro gesunken – ein Minus von 64 Prozent.

TeamViewer: -64 Prozent

Teamviewer entwickelt Software zur Fernsteuerung und Fernwartung von Computern. Beim Börsengang am 25. September 2019 konnten die Göppinger bei einem Ausgabepreis von 26 Euro stolze 2,2 Mrd. Euro einnehmen. Weniger Glück hatten indes die Aktionäre, denn zwischenzeitlich ist der Kurs um 64 Prozent auf 9,49 Euro abgestürzt.

Serviceware: -59 Prozent

Bei seinem Börsengang am 20. April 2018 hat Serviceware etwa 89 Mio. Euro eingenommen. Seither ist die Aktie des Softwareherstellers von 24 auf 9,74 Euro eingebrochen, was einem Minus von 59 Prozent entspricht.

Naga Group: -17 Prozent

Mit einem Bruttoerlös von 2,5 Mio. Euro gehört der Börsengang der Naga Group in die Fliegengewichtsklasse. Allerdings erfolgte der Gang an die Börse am 10. Juli 2017 keine zwei Jahre nach der Unternehmensgründung, was rekordverdächtig klingt. Allerdings ist das FinTech auch auf die Entwicklung von Trading-Plattformen spezialisiert. Man ist also vom Fach. Seit dem IPO fiel die Aktie von 3,60 auf 3,01 Euro; ein Minus von 17 Prozent.

Delivery Hero: +28 Prozent

Delivery Hero gelang im laufenden Jahr sogar der Sprung in den DAX. Bei seinem Börsengang am 30. Juni 2017 wurden stolze 789 Mio. Euro erzielt. Seither hat die Aktie um 28 Prozent auf 34,51 Euro zugelegt. Damit stellt der Essenslieferdienst den zweiten Start-up-Erfolg neben HelloFresh dar.

HelloFresh: +188 Prozent

Das bislang traurige Bild wird durch den Essenslieferanten HelloFresh deutlich aufgehellt. Das Berliner Unternehmen wurde zwar erst 2011 gegründet, konnte bei seinem Börsengang am 2. November 2017 aber 318 Mio. Euro einnehmen. Doch anders als bei den meisten der hier genannten Börsengänge machten nicht nur die Gründer Kasse, sondern auch die Aktionäre. Denn der Ausgabekurs von 10,60 Euro hat sich mittlerweile auf 30,57 Euro verdreifacht, was einem Plus von 188 Prozent entspricht.

2. Was bei einem IPO berücksichtigt werden muss

Ein IPO ist ein aufwändiger und teurer Prozess, der durchschnittlich etwa ein Jahr dauert.

Rechtsform

Für den Börsengang kommen nur Gesellschaften in den Rechtsformen der Aktiengesellschaft (AG), der europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europea, SE) oder der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) in Frage. Falls es sich wie bei den meisten Start-ups um eine GmbH handelt, muss zuerst die Rechtsform geändert werden.

Börsenreife

Zunächst wird geprüft, ob das Unternehmen überhaupt reif für die Börse ist. Dazu gehört die Überprüfung der Unternehmensdaten, eine Branchen-, Produkt- und Wettbewerbsanalyse, eine Überprüfung des Börsenumfeldes (Hausse, Baisse), Unternehmensbewertungen nach unterschiedlichen Formen sowie eine Stärken-Schwächen-Analyse. Die Börsenreife wird mit einer Due-Diligence-Prüfung ermittelt.

Investmentbank

Es wird eine Investmentbank oder eine Investmentbankingboutique benötigt, die den Börsengang begleitet, die die Aktien bei Investoren platziert und oft auch einen Mindestausgabepreis garantiert. Für ihre Dienste erhalten Investmentbanken eine Gebühr, die sich am Emissionsvolumen bemisst.

Prospektpflicht

Das Unternehmen muss einen Börsenprospekt herausgeben, dessen Inhalte rechtlich bis ins Detail geregelt sind.

Investor Relations

Die Emission muss mit umfangreichen Kommunikationsmaßnahmen begleitet werden, um das Unternehmen bei Investoren bekannt zu machen. Dazu gehören Roadshows. Große Investoren wollen oft direkt mit dem Vorstand sprechen, dem bei ehemaligen Start-ups meist auch die Gründer angehören.

Bookbuilding bzw. Underwriting

Anschließend können größere Investoren ein Aktienpaket zu einem bestimmten Preis abnehmen, was als Underwriting bezeichnet wird. Üblicherweise wird von den begleitenden Investmentbanken eine Preisspanne verkündet, zu der dann der Börsengang erfolgt.

3. Fazit: Es muss nicht immer ein IPO sein

Von den zehn hier aufgelisteten Ex-Start-ups haben acht oft heftige Verluste erlitten und nur eines erreichte eine dreistellige Performance. Ein weiteres Unternehmen liegt zweistellig im Plus. 

Dies ist umso schwerwiegender als die Märkte in der gleichen Zeit nach kräftigem Auf und Ab zumindest leichte Gewinne verzeichneten. Von Juni 2017 bis Ende Juni 2022 hat der DAX um magere 3,7 Prozent auf 12.784 Punkte zugelegt. Beim Nebenwerteindex SDAX ging es im gleichen Zeitraum um 10 Prozent auf 11.881 Punkte aufwärts. 

Hätte man unterdessen jeweils 100 Euro in jeden der genannten Börsengänge investiert, wären aus 1000 Euro bis Ende Juni 2022 traurige 675 Euro geworden, was einem Minus von 32,5 Prozent entspricht. Damit wäre die Performance deutlich schlechter als die des DAX und SDAX ausgefallen. Wer sich also mit seiner Investition in junge Unternehmen auf einen Extraprofit freute, wurde kräftig enttäuscht.

Angesichts der aktuellen Geldschwemme lassen sich gegenwärtig sogar große Finanzierungen außerbörslich stemmen, wie der Fall Celonis beweist. Das Münchner Top 50 Start-up schloss erst Anfang Juni 2021 eine Series-D-Finanzierung in Höhe 1 Mrd. Dollar ab, womit es auf einen Unternehmenswert von 11 Mrd. Dollar kommt. Damit ist Celonis das erste deutsche Dekacorn – also mit zehn Hörnern statt einem Horn.

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