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Die zehn spannendsten Börsengänge von Start-ups aus den letzten fünf Jahren

Nur wenige neu gegründete Unternehmen schaffen es an die Börse und dann fällt auch noch die Performance oft bescheiden aus.

Welcher Start-up-Gründer träumt nicht davon, sein Unternehmen in nicht allzu ferner Zukunft an die Börse zu bringen und in die exklusive Liga der Milliardäre aufzusteigen? Doch bei den meisten Gründern platzt dieser Traum rasch. Tatsächlich handelt es sich bei einem Börsengang um eine sehr seltene Exit-Strategie. Selbst in den wenigen Fällen, in denen ein Start-up an der Börse endet, wird noch lange kein Traum wahr. Zumeist fällt die Börsenperformance nach dem Initial Public Offering (IPO) bescheiden aus, wie ein Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre belegt. Dazu haben wir die Performance zwischen dem IPO und dem Schlusskurs vom 8. Oktober 2021 berechnet.

Handelssaal Deutsche Börse
Im Handelssaal der Deutschen Börse (Foto: Deutsche Börse AG)

1. Zehn Börsengänge und ihre Performance

Trivago: -82 Prozent

Die Hotelvergleichsplattform Trivago wagte sich am 19. Dezember 2016 zu einem Ausgabepreis von 12 Euro an die Börse. Seither ist die Aktie um 82 Prozent auf 2,21 Euro abgestürzt.

Home24: -55 Prozent

150 Mio. Euro hat der Onlinemöbelhändler bei seinem Börsengang am 15. Juni 2018 eingesammelt. Der Ausgabepreis lag bei 28,50 Euro. Seit dieser Zeit hat sich der Börsenkurs auf 12,81 Euro mehr als halbiert.

Serviceware: -44 Prozent

Bei seinem Börsengang am 20. April 2018 hat Serviceware etwa 89 Mio. Euro eingenommen. Seither ist die Aktie des Softwareherstellers von 24,01 auf 13,35 Euro eingebrochen, was einem Minus von gut 44 Prozent entspricht.

TeamViewer: -38 Prozent

Teamviewer entwickelt Software zur Fernsteuerung und Fernwartung von Computern. Beim Börsengang am 25. September 2019 konnten die Göppinger bei einem Ausgabepreis von 26 Euro stolze 2,2 Mrd. Euro einnehmen. Weniger Glück hatten indes die Aktionäre, denn zwischenzeitlich ist der Kurs um 38 Prozent auf 16,09 Euro abgestürzt.

Fashionette: -36 Prozent

Fashionette ist ein Onlinehändler für Luxushandtaschen und ging am 29. Oktober 2020 an die Börse. Seither ist der Ausgabekurs von 29 Euro auf 18,60 Euro abgestürzt. Folglich mussten Investoren einen Wertverlust von 36 Prozent verkraften. Immerhin brachte der Börsengang 112 Mio. Euro ein.

Mister Spex: -20 Prozent

Erst Anfang Juli 2021 ist der Online-Optiker Mister Spex an die Börse gegangen. Bei einem Ausgabekurs von 25 Euro je Aktie sammelte das ehemalige Berliner Start-up die Kleinigkeit von 375 Mio. Euro ein. Doch beim Börsenschluss am Freitag (8. Oktober 2021) war die Aktie nur noch 19,98 Euro wert, was einem Minus von 20 Prozent in kaum mehr als einem Vierteljahr entspricht.

Curevac: +4 Prozent

2020 wurde Curevac noch als Deutschlands Geheimwaffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie betrachtet. Zwischenzeitlich hat der Impfstoff mit einer enttäuschenden Schutzwirkung gefloppt. Dennoch ist zumindest die Aktie kein Totalausfall. Nachdem der Wert am 14. August 2020 einen Ausgabepreis von 36 Euro erzielte, ist er bis zum Freitag (8. Oktober 2021) auf 37,50 Euro angestiegen – ein Plus von etwa 4 Prozent.

Naga Group: +48 Prozent

Mit einem Bruttoerlös von 2,5 Mio. Euro gehört der Börsengang der Naga Group in die Fliegengewichtsklasse. Allerdings erfolgte der Gang an die Börse am 10. Juli 2017 keine zwei Jahre nach der Unternehmensgründung, was rekordverdächtig klingt. Allerdings ist das FinTech auch auf die Entwicklung von Trading-Plattformen spezialisiert. Man ist also vom Fach. Seit dem IPO stieg die Aktie von 4,31 auf 6,39 Euro; ein Plus von gut 48 Prozent.

Delivery Hero: +300 Prozent

Delivery Hero gelang im laufenden Jahr sogar der Sprung in den DAX. Bei seinem Börsengang am 30. Juni 2017 wurden stolze 789 Mio. Euro erzielt. Seither hat sich die Aktie auf 107,60 Euro verdreifacht. Damit stellt der Essenslieferdienst den zweiten großen Start-up-Erfolg neben HelloFresh dar.

HelloFresh: +653 Prozent

Das bislang traurige Bild wird durch den Essenslieferanten HelloFresh deutlich aufgehellt. Das Berliner Unternehmen wurde zwar erst 2011 gegründet, konnte bei seinem Börsengang am 2. November 2017 aber 318 Mio. Euro einnehmen. Doch anders als bei den meisten der hier genannten Börsengänge machten nicht nur die Gründer Kasse, sondern auch die Aktionäre. Denn der Ausgabekurs von 10,60 Euro hat sich mittlerweile auf 79,84 Euro vervielfacht, was einem Plus von 653 Prozent entspricht.

IPOs Start-ups

2. Was bei einem IPO berücksichtigt werden muss

Ein IPO ist ein aufwändiger und teurer Prozess, der durchschnittlich etwa ein Jahr dauert.

Rechtsform

Für den Börsengang kommen nur Gesellschaften in den Rechtsformen der Aktiengesellschaft (AG), der europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europea, SE) oder der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) in Frage. Falls es sich wie bei den meisten Start-ups um eine GmbH oder eine UG handelt, muss zuerst die Rechtsform geändert werden.

Börsenreife

Zunächst wird geprüft, ob das Unternehmen überhaupt reif für die Börse ist. Dazu gehört die Überprüfung der Unternehmensdaten, eine Branchen-, Produkt- und Wettbewerbsanalyse, eine Überprüfung des Börsenumfeldes (Hausse, Baisse), Unternehmensbewertungen nach unterschiedlichen Formen sowie eine Stärken-Schwächen-Analyse. Die Börsenreife wird mit einer Due-Diligence-Prüfung ermittelt.

Investmentbank

Es wird eine Investmentbank oder eine Investmentbankingboutique benötigt, die den Börsengang begleitet, die die Aktien bei Investoren platziert und oft auch einen Mindestausgabepreis garantiert. Für ihre Dienste erhalten Investmentbanken eine Gebühr, die sich am Emissionsvolumen bemisst.

Prospektpflicht

Das Unternehmen muss einen Börsenprospekt herausgeben, dessen Inhalte rechtlich bis ins Detail geregelt sind.

Investor Relations

Die Emission muss mit umfangreichen Kommunikationsmaßnahmen begleitet werden, um das Unternehmen bei Investoren bekannt zu machen. Dazu gehören Roadshows. Große Investoren wollen oft direkt mit dem Vorstand sprechen, dem bei ehemaligen Start-ups meist auch die Gründer angehören.

Bookbuilding bzw. Underwriting

Anschließend können größere Investoren ein Aktienpaket zu einem bestimmten Preis abnehmen, was als Underwriting bezeichnet wird. Üblicherweise wird von den begleitenden Investmentbanken eine Preisspanne verkündet, zu der dann der Börsengang erfolgt.

3. Fazit: Es muss nicht immer ein IPO sein

Von den zehn hier aufgelisteten Ex-Start-ups haben es immerhin zwei seit ihrem Börsengang auf eine dreistellige Performance gebracht. Jeweils ein Unternehmen liegt ein bzw. zweistellig im Plus. Dagegen verzeichneten sechs Unternehmen seit ihren IPOs zum Teil herbe Verluste.

Dies ist umso schwerwiegender als in der gleichen Zeit ein insgesamt günstiges Börsenklima herrschte. Von Ende September 2016 bis Ende September 2021 hat der DAX um immerhin 45 Prozent auf 15.261 Punkte zugelegt. Beim Nebenwerteindex SDAX ging es im gleichen Zeitraum sogar um 78 Prozent auf 16.509 Punkte aufwärts. Hätte man unterdessen jeweils 100 Euro in jeden Börsengang investiert, wären aus 10000 Euro bis zum 8.Oktober 1530 Euro geworden, was einem Plus von 53 Prozent entspricht. Damit wäre die Performance zwar besser als die des DAX, jedoch schlechter als die des SDAX ausgefallen.

Angesichts der aktuellen Geldschwemme lassen sich gegenwärtig sogar große Finanzierungen außerbörslich stemmen, wie der Fall Celonis beweist. Das Münchner Top 50 Start-up schloss erst Anfang Juni 2021 eine Series-D-Finanzierung in Höhe 1 Mrd. Dollar ab, womit es auf einen Unternehmenswert von 11 Mrd. Dollar kommt. Damit ist Celonis das erste deutsche Dekacorn – also mit zehn Hörnern statt einem Horn.

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