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Wieso ein Rettungsroboter spannend, ein autonomer Industrieroboter aber nützlich ist

Die Erfolgsgeschichte von Energy Robotics

Am Anfang von Energy Robotics stand eine Spielerei. Seine Liebe zu den autonomen Robotern hat Stefan Kohlbrecher schon während seines Informatikstudiums am Fachbereich Simulation, Systemoptimierung und Robotik entdeckt. Er gehörte zum Team, als die TU Darmstadt 2009/10 die RoboCup-Fußballweltmeisterschaft mit zweibeinigen Robotern gewann. Nach dem Atomunglück in Fukushima hat er sich auf Rettungsroboter verlagert und an der TU Darmstadt promoviert.

Energy Robotics
Der Kollege Roboter beim Einsatz. Mit seinen vier Beinen kann er auch mühelos Treppen steigen. Foto: Energy Robotics

Spannende Forschung ist noch keine Geschäftsidee

2017 stießen Kohlbrecher und sein Team auf einen anderen Wettbewerb. Der französische Ölkonzern Total veranstaltete seine Argos-Challenge. Gekürt wurden Roboter, die selbständig Förder- und Produktionsanlagen des Konzerns kontrollieren konnten und dazu die Testpunkte der Anlage abliefen. „Es handelt sich um immer wiederkehrende Routineaufgaben, die aber mit großer Präzision durchgeführt werden müssen“, erläutert Kohlbrecher. Für Menschen wird dies schnell langweilig und ermüdend, womit das Risiko von Fehlern wächst. Während die Arbeit wenig menschenfreundlich ist, scheint sie doch für autonome Roboter perfekt, die immer dort glänzen, wo sich wiederholende Tätigkeiten gefragt sind.

Roboter sind überdies deutlich kostengünstiger, weil sie keine Arbeitszeiten kennen und statt Schlaf nur ausreichende Ladezeiten benötigen. Doch auch in Gefahrensituationen, die in der Öl- und Gasindustrie auftreten können, kann der Kollege Roboter punkten. „In einer Gefahrensituation fällt die Entscheidung deutlich leichter, erst einmal Roboter hinzuschicken. Im schlimmsten Fall ist der Roboter eben kaputt“, kommentiert Kohlbrecher.

Obgleich es zumeist um Routinearbeiten geht, ist die Sache keinesfalls trivial. Schließlich müssen die Roboter selbständig durch die Produktionsanlagen laufen und dabei auch Treppen steigen und schwer erreichbare Orte besuchen. Nicht zuletzt findet vieles bei Wind und Wetter outdoor statt. „Zwei Probleme gibt es aber noch: Die Roboter können keine Leitern hinaufklettern und keine Türen öffnen. Am zweiten Problem wird aber gearbeitet. Es wird einen Arm geben, mit denen der Roboter eine Tür öffnen kann“, erläutert Kohlbrecher.

Den Schwenk von Fußball- und Rettungsrobotern zu autonomen Industrierobotern bereut Kohlbrecher nicht. „Zwar sind Rettungsroboter ein hoch spannendes Thema, es liegt aber in der Natur der Sache, dass sie nicht im täglichen Einsatz sind. Damit gibt es dafür bisher noch keinen tragfähigen Business Case“, meint Kohlbrecher. Beim Einsatz in der Industrie ist das anders.

Stefan Kohlbrecher

Zwar sind Rettungsroboter ein hoch spannendes Thema, es liegt aber in der Natur der Sache, dass sie nicht im täglichen Einsatz sind.

Stefan Kohlbrecher, Co-Founder und CTO von Energy Robotics

Die Idee zu Energy Robotics

Mit der erfolgreichen Teilnahme am Total-Wettbewerb war die Geschäftsidee zu Energy Robotics geboren, denn die Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern sind schier grenzenlos. Kohlbrecher und seine Mitgründer Dorian Scholz und Alberto Romay sowie Geschäftsführer Marc Dassler haben begonnen, an der Marktreife des Produkts zu arbeiten. In dieser Phase hat das Quartett eine Förderung durch das EXIST-Programm erhalten, das den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen von den Unis in die Wirtschaft fördert.

Die Software und die autonomen Fähigkeiten müssen ebenso entwickelt werden wie ein webbasiertes Userinterface. Das Ganze ist in der Cloud angesiedelt – außerhalb der Netzwerke des Kunden. „Wir bieten eine End-to-End-Lösung an“, resümiert Kohlbrecher. Die Gesamtlösung soll dann als „Robot-as-a-Service-Lösung“ angeboten werden. Die Kunden kaufen also weder den Roboter noch die Gesamtlösung, sondern zahlen nur über 12 bis 36 Monate eine Gebühr.

Die Roboter-Hardware entwickelt Energy Robotics allerdings nicht selbst, sondern integriert die Geräte verschiedener Hersteller wie die des niederländischen Herstellers ExRobotics. „Der Vorteil ist, dass diese Roboter ATEX-zertifiziert sind“, sagt Kohlbrecher. Denn Roboter, die in einem explosionsgefährdeten Umfeld wie der Öl- und Gasindustrie eingesetzt werden, müssen so konstruiert sein, dass sie durch ihre Elektronik keine Explosion auslösen. Daneben werden u. a. Roboter des US-Herstellers Boston Dynamics für andere Anwendungen genutzt.

Jetzt wird es ernst

Ende 2018 war das Minimum Viable Product fertig und konnte sich im Einsatz beim Kunden beweisen. Anfang des laufenden Jahres konnte Energy Robotics eine Seed-Finanzierung von knapp 2 Mio. Euro einwerben, womit Kohlbrecher und sein Mitstreiter weitere Mitarbeiter einstellen und das Geschäft skalieren. Für die Zukunft von Energy Robotics gibt sich Kohlbrecher optimistisch: „Das Interesse der Industrie und die Zahl der Opportunitäten sind groß. Man merkt, dass das Thema im Kommen ist.“

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