Was sind eure Erfolgsgeheimnisse? Interview mit Top 50 Start-up PerioTrap

Ende 2020 hat PerioTrap aus Halle in einer ersten Finanzierungsrunde 3 Mio. Euro erhalten.

Von null auf Platz 27 ging es für PerioTrap aus Halle (Saale) im aktuellen Ranking der Top 50 Start-ups. Warum die Gründer Mirko Buchholz und Pierre Tangermann schon eher mit einer Platzierung gerechnet hätten und was sich seither für die Entwickler einer neuen Therapie gegen Paradontitis verändert hat.

Die Gründer von PerioTrap
Pierre Tangermann und Mirko Buchholz (v. l.), die Gründer von PerioTrap Pharmaceuticals.

Ihr habt es mit PerioTrap erstmals in die Top 50 Start-ups in Deutschland geschafft. Welchen Effekt hatte die Platzierung?

Pierre:  Es hat uns vor allem überrascht. Im Jahr 2019 waren wir sogar noch aktiver bei Wettbewerben und da tauchten wir nicht auf.

Mirko: 2020 haben wir den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland gewonnen – einmal den Gesamtsieg sowie den Sieg im Cluster Life Sciences. Jetzt sind wir im Ranking dabei. Das Gewinnen scheint den Unterschied zu machen.

Pierre: Nachdem bekannt wurde, dass wir unter den Top 50 sind, haben sich viele Leute gemeldet – insbesondere über LinkedIn. Man bekommt Sichtbarkeit.

Wonach habt ihr ausgewählt, an welchen Wettbewerben ihr teilnehmt?

Pierre: Wir waren hochselektiv und haben uns gerade am Anfang auf Wettbewerbe im Bereich Life Sciences konzentriert. Sichtbarkeit war da eine Perspektive, aber wir wollten auch Wissen generieren.

Welche Wettbewerbe waren besonders relevant?

Mirko: Wir haben 2019 zum Beispiel am Science4Life-Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Dieser Preis war für uns unheimlich gewinnbringend, wir waren sowohl in der Konzept-, als auch in der Businessplanphase jeweils unter den Top10. Wir haben damals zum Beispiel für einen Tag einen Mentor bekommen. Den konnten wir nach allem fragen, was uns auf der Seele brannte – vom Lizenzvertrag bis zur Investorensuche. Das war richtig gut, weil es ein guter Spiegel war. Dagegen spielte für unsere Sichtbarkeit und die spätere Finanzierung der IQ Innovationspreis eine entscheidende Rolle.

Pierre Tangermann

Nachdem bekannt wurde, dass wir unter den Top 50 sind, haben sich viele Leute gemeldet – insbesondere über LinkedIn. Man bekommt Sichtbarkeit.

Pierre Tangermann, Co-Founder von PerioTrap

Eure erste Finanzierungsrunde habt ihr Ende 2020 abgeschlossen mit 3 Millionen Euro. Was konntet ihr mit diesem Investment bisher schon erreichen?

Pierre: Wir sind operativ geworden. Wir waren vorher ein Zweier-Team und sind mittlerweile acht Leute. Wir machen genau das, wofür das Geld auch da ist: Synthese, Testung und Entwicklung. Wir entwickeln unseren neuartigen Wirkstoff weiter und machen marktorientiertes Produktdesign.

Mirko: Außerdem sind wir mit einem Vorläuferprodukt in der Planung für die klinische Prüfung, der Prüfung am Menschen.

Pierre: Wir haben dafür schon das Feedback des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das ist ein Meilenstein. Wenn alles weiter nach Plan verläuft, starten wir im kommenden Frühjahr mit der Studie.

Genügt die erste Finanzierungsrunde für eure nächsten Schritte oder ist die zweite bereits in Sicht?

Pierre: Unser Zeitrahmen für die zweite Finanzierungsrunde ist Ende 2022. Ende dieses Jahres werden wir mit den Verhandlungen beginnen. Es geht schließlich auch um Arbeitsplätze und Perspektiven. Daher wollen wir alles lieber früher als später angehen. Aber dank des Investments und einer Förderung hätten wir eigentlich genug Geld, um uns vom Marathon der ersten Finanzierungsrunde ein bisschen zu erholen. 

Gibt es erste Kunden, die Interesse zeigen? Wen habt ihr im Blick?

Pierre: Unsere Kunden sind Zahnärzte. Sie zu erreichen ist aktuell durch die Corona-Pandemie schwierig, da die Messen und Events fehlen. Aber wir haben einen strategischen Investor, der unser Produkt an die Zielgruppe verkaufen könnte.

Mirko: Seitdem die Website online ist, erhalten wir tatsächlich auch E-Mails von betroffenen Patienten. Es gibt offensichtlich einen großen Leidensdruck. Wir wecken natürlich Erwartungen. Aber man muss klar sagen, dass wir uns immer noch in der Entwicklung befinden.

Und doch gibt es auf dem Papier auch schon Exit-Pläne. Was wünscht ihr euch für das Unternehmen nach einem Verkauf?

Mirko: Sollte es tatsächlich zu einem Exit kommen, sind wir sicher weiter für eine gewisse Zeit im Unternehmen. Auf der anderen Seite gibt es auch noch andere Gründungsideen.

Fällt der Gedanke nicht schwer, das eigene „Baby“ ziehen zu lassen?

Mirko: Davon muss man sich befreien. Klar, es ist das eigene Baby, aber es muss irgendwann fliegen und dazu muss man es loslassen.

Pierre: Der Exit wäre für alle Beteiligten ein Grund zur Freude. Vor allem für die Patienten kann sich das nur lohnen.

Was würdet ihr bei der nächsten Gründung anders machen?

Pierre: Ich glaube den Weg an sich – Brainstorming, die Wettbewerbe, eine Evaluierung des Marktes und der Idee – würde mit Abstrichen schon gleich sein, aber den Rest würde ich komplett neu machen. Wir sind in jedes Fettnäpfchen reingelaufen, in das man reinlaufen kann. Wirklich jedes.

Mirko Buchholz, Co-Founder von PerioTrap

Sollte es tatsächlich zu einem Exit kommen, sind wir sicher weiter für eine gewisse Zeit im Unternehmen. Auf der anderen Seite gibt es auch noch andere Gründungsideen.

Mirko Buchholz von PerioTrap

Die Top 50 Start-ups kamen bisher eher selten aus Sachsen-Anhalt. In welcher Hinsicht wird das dem Land nicht gerecht?

Pierre: Im Biotech-Bereich wird Sachsen-Anhalt meiner Meinung nach unterschätzt. Ich wohne in Berlin. Die Gesundheitstechnologie ist dort sehr stark vertreten. Es gibt viele Apps und digitale Diagnostik- und Therapieangebote. Vieles ist jedoch vom Finanzmarkt getrieben. In Sachsen-Anhalt ist man gezwungen stärker zu haushalten, was die Planung bedarfsorientiert macht. Hier würde man eher Zebras als Unicorns finden, obwohl wir von diesen Sphären noch weit entfernt sind. Dennoch: Was entwickelt wird, hat gutes Potenzial auch was zu werden. Mit dem Technologiepark Weinberg Campus hat Sachsen-Anhalt außerdem eine echte Perle. Die Wege sind kurz, alles ist zentral und nicht so fragmentiert. Das hat viele Vorteile.

Wo könnte mehr gehen?

Pierre: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Gerade die Vergabe von Fördermitteln ist in Sachsen-Anhalt immer noch sehr prozess- und nicht zielorientiert, da könnte man nochmal ran.

Mirko: Das eine ist die Fördermittelbeschaffung und das andere ist generell das Gründen. Was bedeutet das eigentlich? Man muss zum Notar gehen, man muss sich beim Finanzamt melden, man braucht ein Steuerbüro und diese ganzen Sachen. Für mich war das alles Neuland. Mit dem Weinberg Campus Accelerator werden auch diese Themen mehr nach vorne geschoben. Eine gute Entwicklung.

Zu PerioTrap

Paradontose ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Menschen. Betroffene können nicht nur unter entzündetem und sich zurückziehendem Zahnfleisch bis hin zum Zahnverlust leiden, unbehandelt sind auch Folgekrankheiten wie Rheuma oder Schlaganfälle möglich. Die PerioTrap Pharmaceuticals GmbH entwickelt einen Wirkstoff, mit dem Paradontitis neu behandelt werden kann. Ganz spezifisch bekämpft das Mittel aus Halle die verursachenden Bakterien im Mund. Das sorgt nicht nur für Heilung, sondern spart auch den Einsatz von Breitbandantibiotika. Das Start-up hat sich 2018 aus der Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Halle ausgegründet. Ende 2020 beendete das Team eine erste Finanzierungsrunde. bmp Ventures AG (über den IBG-Fonds), i&i Prag, Fraunhofer Venture und ein strategischer Partner investierten insgesamt 3 Millionen Euro in PerioTrap.

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