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Gastbeitrag: So könnte die Post-Corona-Wirtschaft aussehen

Neue Gründerzeit: digitaler, regionaler und nachhaltiger denn je.

Yalun Meng ist Teil von LEXROCKET, der Gründer- und Start-up Förderinitiative des Freiburger Softwarehauses Lexware. Seit 2017 setzt sich das junge LEXROCKET-Team um Meng explizit für die Förderung von Gründern ein: mit Austauschformaten, innovativen Lösungen und einzigartigen persönlichen Coachings. Durch den regelmäßigen Austausch mit angehenden Unternehmern weiß Yalun Meng, vor welchen Herausforderungen Gründer seit Jahren in Deutschland stehen. Ob und inwieweit die derzeitige Corona-Pandemie die Rahmenbedingungen verbessern und den Gründermut steigen lässt, ist aktuell noch unklar. LEXROCKET prognostiziert für Deutschlands Gründungszene in den kommenden Jahren vor allem eins: Eine neue Gründerzeit, die digitaler, regionaler und nachhaltiger denn je sein wird.

Photo by Fab Lentz on Unsplash

Erster Aufwschwung nach rund zwei Jahren

Seit rund zwei Jahren erlebt die Gründerszene in Deutschland erstmals wieder einen Aufschwung. Die Gründungsquote steigt. Nicht allerdings im internationalen Wettbewerb. Hier hinkt Deutschland anderen Industrieländern noch immer hinterher – und zwar deutlich: Im Vergleich mit 33 Ländern belegt Deutschland lediglich Platz 28. Zu viel Bürokratie, Belastung für die Familie und ein zu hohes finanzielles Risiko hindern Gründer laut einer Studie des KfW-Gründungsmonitors auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Jedoch nicht unbedingt in Krisenzeiten. Besonders in schwierigen Zeiten erlebte Deutschland in den letzten Jahren einen Kulturwandel hin zu mehr unternehmerischer Selbstständigkeit. Dieser Trend zeichnete sich auch nach der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise vor über zehn Jahren ab. Obwohl die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2009 im Vorjahresvergleich gestiegen ist, fanden in Summe mehr Neugründungen als Gewerbeabmeldungen statt. Vielleicht auch ein mögliches Szenario für die Post-Corona-Wirtschaft?

Die Spanne der Megatrends im Hinblick auf die Post-Corona-Zeit könnte aktuell nicht größer sein. Während einige Ökonomen befürchten, die Pandemie könnte die Gründung von Start-ups verhindern und den Staatseinfluss auf die Wirtschaft spürbar erhöhen, prognostizieren viele Experten und Unternehmer, beispielsweise Verena Pausder in ihrem Buch „Das Neue Land“ oder Professor Hendrik Müller von der TU Dortmund, den Startschuss für eine neue Gründerzeit – eine interessante These, die sich auch mit den Erfahrungen und Prognosen von LEXROCKET deckt.

Es wird Insolvenzen geben. Und danach wird Deutschland ein Reset in puncto unternehmerischem Denken erfahren.

Yalun Meng von Lexrocket

Drei Trends

Nach einem Jahrzehnt des Aufschwungs erlebt Deutschland mit der Corona-Pandemie seit rund einem Jahr einen Konjunktureinbruch. Die Krise hat bereits Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt ausgelöst. Trotz aller Bemühungen vonseiten der Unternehmen und der Politik wird es unausweichlich Insolvenzen mit Entlassungen geben. Unklar ist derzeit lediglich noch deren Ausmaß. Zumindest Teile der betroffenen Unternehmer und Arbeitnehmer werden sich − ganz gleich, ob aus freien Stücken oder notgedrungen − in ihrer beruflichen Tätigkeit neu orientieren. Dabei werden wir möglicherweise drei Trends sehen:

1. Wunsch nach sinnstiftender Tätigkeit und Unabhängigkeit

Eigene Ideen verwirklichen, Entscheidungen selbst treffen, in der Arbeit Sinn sehen, andere für die eigenen Ziele begeistern, ein Team führen, neue Wege beschreiten. Wir werden nach Debatten rund um „Systemrelevanz“ künftig eine Verstärkung des bereits vorhandenen Wunsches nach sinnstiftender beruflicher Tätigkeit sehen.

2. Stärkere lokale und regionale Ausrichtung

Die Globalisierung hat in der Krise ihre Schwächen offenbart. Wir lernen gerade schmerzhaft, dass es nicht immer klug ist, bestimmte Produkte, die zum Teil zwar simpel, aber sehr wichtig sind, aus Kostengründen ausschließlich in Fernost zu produzieren. Der Wunsch nach mehr Autarkie wird von einer Welle neuer Gründer bedient werden.

3. Digital in die Selbstständigkeit

Wie wichtig der Digitalisierungsgrad eines Unternehmens für den Geschäftserfolg ist, das zeigt die Krise deutlich. Ob mobiles, ortsunabhängiges Arbeiten dank cloudbasierter Tools und Prozesse, die kurzfristige Anpassung des Geschäftsmodells oder die Implementierung digitaler Vertriebskanäle: Eine gute Digitalisierungsstrategie ist nicht nur in der Corona-Krise zu einer Art „Krisenversicherung“ geworden, die Digitalisierung von Geschäftsprozessen wird auch künftig ein essenzieller Teil des Gründungsprozesses sein − sowohl für den Blumenladen von nebenan als auch für das Tech-Startup in Berlin-Mitte.

Zur Gründung braucht es nicht nur Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen, sondern auch die richtigen Rahmenbedingungen.

Yalun Meng von Lexrocket

Gründungsmotor Europa: Was Deutschland von den Nachbarn lernen kann

Im Rahmen des Dokumentarfilms „Chasing the Spirit  der Film über die Startup-Szene in Europa“ haben wir das europäische Gründer-Ökosystem beleuchtet und zeigen auf, welches Land das gründerfreundlichste ist und was die deutsche Wirtschaft von ihren europäischen Nachbarn lernen kann. Dafür haben wir ganz Europa bereist: ein Camper, 10 Wochen, 24 Länder und 25.000 km. Wenn es uns gelingt, in Sachen Hürdenabbau verglichen mit unseren europäischen Nachbarn aufzuholen, dann steht uns eine blühende neue Gründerzeit bevor.

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