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Kredite für Start-ups: Die Alternative zur Eigenkapitalfinanzierung

Auch für Gründer gibt es eine Reihe von attraktiven Darlehen

Business Angels, Venture Capital-Fonds und Wandeldarlehen − mittlerweile hat sich auch in Deutschland eine Vielzahl von Start-up-Finanzierungen etabliert, die eines gemein haben: Es geht immer um Eigenkapital. Doch um dies zu erhalten, müssen Gründer beträchtliche Anteile an ihrem Unternehmen an die Investoren abgeben. Damit sind sie nicht länger Herr im eigenen Unternehmen und bei einem Exit fällt der eigene Erlös entsprechend geringer aus. Schließlich können sie nur ihre eigenen Anteile zu Geld machen.

Auch wenn dies weniger prominent ist, lassen sich Start-ups durchaus über Kredite finanzieren. Einige dieser Fremdfinanzierungen sind für Gründer besonders attraktiv.

Darlehen
Photo by Visual Stories || Micheile on Unsplash

1. Der ERP-Gründerkredit

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA Westdeutschland rund 1,4 Mrd. Dollar zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt, was als Marshallplan oder als European Recovery Program (ERP) bekannt ist. Das Geld ist immer noch vorhanden und wird von der bundeseigenen KfW verwaltet. Aus diesem Sondervermögen werden u.a. die ERP-Gründerkredite vergeben.

Ein ERP-Gründerkredit Startgeld Universell kann bis zu 125.000 Euro bei einer Verzinsung von derzeit 0,7 Prozent betragen (Stand September 2021). Dieser Kredit dient der „Existenzgründung und Festigung im Neben- oder Vollerwerb bis zu fünf Jahre nach Gründung“, heißt es von der KfW. Um den Geldsegen zu erhalten, müssen Gründer kein Eigenkapital mitbringen. Die Laufzeit kann zwischen fünf und zehn Jahren gewählt werden mit ein bzw. zwei tilgungsfreien Jahren. Geförderte Unternehmen müssen indes weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Jahresumsatz und Bilanzsumme dürfen 10 Mio. Euro nicht übersteigen. Überdies bietet die KfW die ERP-Variante „Kapital“ zur Stärkung des Eigenkapitals an.

Zum Download KfW-Merkblatt ERP-Gründerkredit

„Die KfW möchte jungen Unternehmern den Start in die wirtschaftliche Selbstständigkeit erleichtern. Mit den Möglichkeiten der ERP-Gründerkredite erhalten die Gründer Zugang zu zinsverbilligten Darlehen. Daneben bietet die KfW je nach Programmvariante zwischen 80 Prozent (Startgeld) und 100 Prozent (Kapital für Gründung) Haftungsfreistellung gegenüber den vergebenden Hausbanken.

Welche der Varianten Startgeld Universell und Kapital für die Gründung am besten passt, ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Hier unterstützen die Unternehmerkundenberater der Commerzbank bei der Auswahl der passenden Finanzierungsbausteine. Die Programme können übrigens nicht nur bei Gründung, sondern auch für Existenzfestigungs- und Wachstumsfinanzierungen (je nach Variante bis fünf Jahre nach Gründung) beantragt werden“, sagt Guido Groß, Leiter Kundenmanagement Unternehmerkunden von der Commerzbank.

Die ERP-Gründerkredite müssen über die Hausbank beantragt werden, wobei leider nicht alle Banken mitmachen.

Die Commerzbank unterstützt bei der Suche nach Fördermitteln

2. Klassisches Bankdarlehen

Neben den Gründerförderungen können Jungunternehmer ihre Start-ups auch mit klassischen Bankdarlehen finanzieren. In den ersten 36 Monaten der Gründungsphase wird hier der Aufbau der Unternehmung finanziert. In der daran anschließenden Ausbauphase sind Start-ups oft mit der Skalierung ihres Geschäftsmodells beschäftigt, wozu in der Regel umfangreiche finanzielle Mittel benötigt werden. Einiges davon kann durch ein klassisches Bankdarlehen finanziert werden.

Angesichts der Niedrigzinsphase sind diese derzeit zu attraktiven Konditionen erhältlich. So bietet die Commerzbank ein „Investitionsdarlehen mit Sofortentscheidung“ zu einem Zinssatz von nominal 2,45 Prozent an (Stand September 2021). Bis zu einer Höhe von 100.000 Euro und beim Vorliegen aller erforderlichen Unterlagen kann ein Berater in der Regel sofort über den Darlehensantrag entscheiden. Insgesamt sind mit diesem Programm Finanzierungen von bis zu 750.000 Euro möglich. Die Konditionen zu Tilgung und Fälligkeit sind dabei vielfältig.

Investitionsfinanzierung der Commerzbank

Da in der Frühphase von Unternehmen oft noch bankübliche Sicherheiten fehlen, ist die Stellung einer Ausfallbürgschaft durch eine Bürgschaftsbank eine Möglichkeit, den Zugang zur Finanzierung zu erleichtern. Die Bürgschaftsbanken sind landeseigen und vergeben durch Bund bzw. Länder rückgedeckte Bürgschaften zur Unterstützung von Unternehmen und Unternehmern bei der Kredit- und Beteiligungsfinanzierung.

3. Commerzbank fördert Nachhaltigkeit

Die Commerzbank hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige Investitionsvorhaben zu begleiten. „Dabei geht es nicht nur um Finanzierung von nachhaltigen Gründungsvorhaben, wir wollen auch unsere bereits etablierten Unternehmenskunden bei deren Transformation zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen begleiten. Auch hierfür bietet die KfW – etwa mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude – passende Förderprogramme“, sagt Groß.

Guido Groß

Unsere Produktlösungen im Bereich Sustainable Finance wollen wir sukzessive weiter ausbauen, um die vielfältigen Bedarfe unserer Kunden optimal bedienen zu können.

Guido Groß, Leiter Kundenmanagement Unternehmerkunden bei der Commerzbank

4. Liquidität mit Gewerbekredit sichern

Viele Start-ups verfügen über noch keinen stabilen Cashflow, weshalb die Sicherstellung der Liquidität eine besondere Herausforderung darstellt. Hierfür bietet die Commerzbank einen Gewerbekredit an. Die Konditionen im Überblick:

  • Fest vereinbarte Kreditlinie zu Ihrer geschäftlichen Verfügung, insbesondere zur Deckung kurzfristigen Liquiditätsbedarfs
  • Frei verfügbar mit jederzeitiger Rückzahlungsmöglichkeit
  • Zinsberechnung nur bei Inanspruchnahme
  • Variable Verzinsung gekoppelt an die aktuelle Entwicklung am Geldmarkt (EONIA, ab 1. Januar 2022 €STR)
  • Flexibles Finanzierungsinstrument für Ihre Umsatzausweitung

Gewerbekredit der Commerzbank – mehr Flexibilität für Ihr Startup

5. Drei Tipps zur Vorbereitung eines Kreditgesprächs

Jede Unternehmensgründung will gut vorbereitet sein. Das gilt auch für Finanzierungsgespräche mit Investoren und Banken. Konkret:

Was Banken wissen wollen

„Der erste Eindruck ist vielfach entscheidend. Es geht im ersten Schritt darum, sich als Unternehmer, als ‚Macher‘ zu präsentieren und sein Gegenüber im Gespräch von der Idee zu begeistern und dabei aufzuzeigen, dass das Vorhaben gut durchdacht und plausibel geplant ist.

Dabei sollte ein Überblick über folgende Themen gegeben werden:

  • Was ist die Idee und wie funktioniert das Geschäftsmodell?
  • Was qualifiziert mich, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen?
  • Wie sind Umsatz- und Ertragserwartungen geplant?
  • Welche Investitionen sind notwendig und wie sollen diese finanziert werden?
  • Wie ist der Liquiditätsbedarf geplant?

Konnte der Gründer hier überzeugen, erfolgt im zweiten Schritt die weitere Analyse des Vorhabens anhand des Businessplans, der das Vorhaben strukturiert aufbereitet im Detail darstellt“, heißt es von der Commerzbank.

Angebot prüfen

Damit es nicht zu unschönen Überraschungen kommt, empfehlen Experten eine eingehende Überprüfung der Finanzierungsparameter: Wie hoch fallen die Kosten und Zinsen aus? Welche Sicherheiten werden verlangt und wie lang ist die Laufzeit? Sind Sondertilgungen möglich? Und wie hoch ist das erforderliche Eigenkapital? Falls einige dieser Punkte unklar sind, sollten Gründer direkt nachfragen, denn eine gute Bank zeichnet sich durch ihre Beratungskompetenz aus.

Professioneller Auftritt

Nicht zuletzt hilft ein professioneller Auftritt der Start-up-Gründer im Bankgespräch weiter. Das Wort sollte das Teammitglied führen, das sich in Finanzfragen am besten auskennt. Gehen Sie selbstbewusst ins Gespräch, denn Sie kennen Ihr Geschäft am besten und haben die anstehende Investition durchdacht. Mit ein wenig Vorbereitung stehen die Chancen für einen Kredit gut.