Professionelle Pressearbeit: vom Siegertreppchen in die Medien

Mehrere zehntausend Euro lassen sich bei einem Gründerwettbewerb durchaus gewinnen. Geld, das junge Unternehmen stets gebrauchen können. Doch sollte dies nicht der einzige Ansporn zur Teilnahme sein.

Mindestens genauso wichtig wie der Gewinn an sich ist die mediale Aufmerksamkeit. Richtig genutzt kann diese langfristig wirken und auch neue Kontakte zu Geschäftspartnern oder Kunden bringen.

Die Öffentlichkeit mitfeiern lassen

Neben dem Networking geht es dann auch an die breite Öffentlichkeit: Lasst eure Kunden und Mitarbeiter ebenso wie Partner und Medienvertreter wissen, welchen Erfolg ihr feiert. Dazu gehört zum einen, dass ihr beispielsweise über die Social Media-Kanäle kundtut, was ihr erreicht habt oder – falls vorhanden – Gewinnersiegel auf eurer Webseite einbaut. Außerdem solltet ihr ein aussagekräftiges PR-Paket zusammenstellen. Ein Wettbewerbsgewinn kann ein guter Aufhänger für Journalisten sein, um über euer Geschäftsmodell zu berichten.

Die meisten Gründerwettbewerbe haben starke Medienpartner, die automatisch die Preisträger ins Rampenlicht stellen: diese reichen von kleineren Medien oder Internetportalen bis hin zum ZDF, das sogar Mitinitiator des Deutschen Gründerpreises ist. Ähnlich viel Aufmerksamkeit bekommt ihr beispielsweise beim Start me up!, der von der „Die Welt" ausgeschrieben wird, oder beim Zeit Wissenspreis „Mut zur Nachhaltigkeit".

Doch nicht nur die großen Medien bringen entsprechende Aufmerksamkeit, auch die Wettbewerbe selbst betreiben Pressearbeit, um den Wettbewerb und die damit verbundenen Preisträger bekanntzumachen. Wenn ihr also an einem Gründerwettbewerb teilnehmt, solltet ihr darauf eingestellt sein, mit Journalisten in Kontakt zu kommen. Um auch dabei zu glänzen, gilt es, sich entsprechend vorzubereiten.

Journalisten überzeugen – so geht’s

Das beginnt bereits bei der Preisverleihung – sei es in einem Live-Pitch oder einem Interview nach der Bekanntgabe der Sieger. Seid euch daher bereits vorab darüber bewusst, welche Botschaften ihr Medienvertretern gegenüber vermittelt. Die goldene Regel lautet: Wer gelassen und zugleich authentisch kommuniziert, der kann Journalisten überzeugen. Außerdem solltet ihr euch im Vorfeld überlegen, welche Zahlen, Daten und Fakten ihr öffentlich kommunizieren wollt (und welche nicht!). Auch die Kleidung und das generelle Auftreten eures Teams können einen Einfluss auf die Berichterstattung haben.

Gute Vorbereitung in Sachen Pressearbeit ist sowohl vor als auch nach der Preisverleihung das A und O. Dazu zählt:

  • Haltet aktuelle Zahlen, Daten und Fakten auf eurer Webseite bereit.
  • Stellt eine Pressemitteilung und aktuelles Bildmaterial zur Verfügung.
  • Checkt eure Presseseite: Ist ein Pressekontakt angegeben? Gibt es eine aktuelle Pressemappe?
  • Es ist empfehlenswert, ein Factsheet mit den wichtigsten Informationen zum Unternehmen zusammenzustellen.
  • Aktuelle Informationen gehören auch auf Facebook, Twitter & Co.

Zusammenfassend solltet ihr also alles daran setzen, dass ihr Journalisten möglichst einfach einen Zugang zu euren Erfolgen (und Informationen) bietet. Nicht alle Start-ups sind hier gleichermaßen gut aufgestellt – eine gute Kommunikation mit Ansprechpartnern aus den Medien kann euch durchaus von der Konkurrenz abheben.

Journalisten mangelt es nicht selten an Zeit, mit kompakten und gut aufbereiteten Materialen könnt ihr punkten. Ein weiterer Pluspunkt ist, wenn ihr schnell mit den gewünschten Informationen auf Nachfragen reagiert.

Domänenwissen, Timing und Fokussierung sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Dipl.-Wirt.-Ing. Martin Plutz, Geschäftsführer Oculavis (Top 50 Start-ups 2020)

Schritt 1: Die Pressearbeit vorab planen

Nicht selten fehlt es Medienvertretern für ihren Beitrag an einer Story. Der Gewinn eines Wettbewerbs kann der passende Anlass sein. Unmittelbar nach dem Sieg bzw. der Bekanntgabe solltet ihr daher eine Pressemitteilung versenden. Diese könnt ihr weitestgehend vorformulieren und direkt am Tag (nach) der Preisverleihung versenden. Auch eure Website sollte entsprechend aufbereitet sein: Bilder, Zahlen, Daten und Fakten sowie ein Pressekontakt sind dabei unerlässlich.

Schritt 2: Eine gute Pressemitteilung schreiben

Wenn ihr eine Pressemitteilung schreibt, solltet ihr mit dem Aufhänger beginnen. Bereits die Überschrift sollte einen Begriff wie „1. Platz“ oder „Sieger“ sowie den Namen des Wettbewerbs enthalten. Erklärt, was an eurem Unternehmen besonders ist und weshalb ihr den Sieg verdient habt. Auch ein Zitat der Jury mit der Begründung der Auswahl oder ein Statement des Geschäftsführers könnt ihr anbieten. Erklärt, wie ihr von der Teilnahme des Wettbewerbs profitiert.

Nennt zum Abschluss die wichtigsten Kennzahlen zum Wettbewerb, wie Anzahl der Teilnehmer oder das Preisgeld. Auch Absätze zum Ablaufprozess sowie den Zweit- oder Drittplatzierten könnt ihr zum Abschluss der Pressemeldung verfassen. Bedenkt aber immer: ihr macht PR für euch und nicht für den Wettbewerb oder andere Unternehmen. Achtet außerdem auch darauf, dass die Pressemitteilung nicht zu werblich ist, sondern möglichst als neutrale Vorlage von den Journalisten genutzt werden kann.

Versucht jedoch, den verschiedenen Redaktionen möglichst zielgruppenspezifische Inhalte zu schicken:

  • Gründeraffine Medien erhalten einen Aufhänger mit Gründungsbezug, z.B. „Start-up Max gewinnt Platz 1 bei Gründerwettbewerb Mustermann.“
  • Regionale Medien erhalten einen Aufhänger mit regionalem Bezug, z.B. „Gründer aus Musterstadt gewinnen Platz 1 bei Ideenwettbewerb.“
  • Branchenspezifische Medien erhalten einen Aufhänger mit Branchenbezug, z.B. „Big-Data-Start-up gewinnt Platz 1 bei IT-Musterwettbewerb.“

Individuelle Anschreiben können sich lohnen, insbesondere, wenn ihr wenige, aber hochwertige (idealerweise persönliche) statt viele allgemeingültige Adressen in eurem Verteiler habt. Ganz generell raten wir davon ab, Massen-E-Mails an info@ oder redaktion@ zu schicken.

Nach dem Versand heißt es warten, erreichbar sein und gegebenenfalls nachfassen – jedoch stets mit dem gewissen Etwas an Fingerspitzengefühl. Sollte es zu einer Veröffentlichung kommen, solltet ihr auch das kommunizieren – eure Fans in den sozialen Medien freuen sich sicherlich genauso darüber, wie ihr. Auch auf der Webseite könnt ihr Medienerwähnungen listen. Der entsprechende Kontakt sollte dann auch direkt wieder in euren Verteiler eingetragen werden.

Schritt 3: Pressekontakte filtern und Verteiler aufbauen

Überlegt euch gut, an wen ihr eure Pressemitteilung versendet. Folgende Leitfragen können dabei helfen:

  • Welche Journalisten haben bereits über euch berichtet?
  • Wer hat (ggf. im Vorjahr) etwas über den Wettbewerb veröffentlicht?
  • Welche Medien berichten generell über Wettbewerbe?
  • Gibt es Medienvertreter, die sich mit eurer Branche beschäftigen?
  • Welche Journalisten schreiben über vergleichbare Themen in der Gründerwelt?

Wenn ihr einen bestehenden Verteiler habt, aktualisiert diesen. Prüft, ob sich Positionen verändert haben, welche Medienvertreter nicht mehr zuständig sind und ob neue Journalisten aufgenommen werden können. Falls ihr noch keinen Presseverteiler habt, solltet ihr diesen erstellen. Aufgrund des hohen Zeitaufwands empfiehlt es sich in diesem Fall, zunächst qualitativ hochwertige – also für euer Themenfeld relevante – Journalisten aufzunehmen, anstatt auf Quantität zu setzen.

Schritt 4: Die Pressemitteilung prüfen

Sobald ihr wisst, an wen ihr die Pressemitteilung versenden wollt, prüft, ob die Inhalte auch zur Zielgruppe, also zu den Lesern des Mediums, passen. Das bedeutet: Falls ihr eure Pressemitteilung an gründeraffine Medien schicken wollt, so sollte der Background zur Gründung im Fokus stehen. Sofern ihr euch an regionale Medien richtet, hebt die Bedeutung eures Unternehmens für die Region hervor. Bei überregionalen Berichterstattern solltet ihr euch überlegen, was neben dem Sieg ein möglicher Aufhänger sein könnte. Natürlich müsst ihr nicht die gesamte Pressemitteilung jedes Mal erneut schreiben, individuelle Absätze bzw. Anschreiben können sich jedoch lohnen.

Schritt 5: So geht es nach dem Versand weiter

Je nach Rücklauf auf die Pressemitteilung könnt ihr nach einigen Tagen in den Redaktionen nachfassen. Dabei ist allerdings ein bisschen Fingerspitzengefühl geboten: Nicht jeder Redakteur sieht einen Anruf als Engagement. In jedem Fall sollte nach dem Versand aber Ihr Pressekontakt, den ihr in der Pressemitteilung angegeben habt, jederzeit erreichbar und auf mögliche Rückfragen gut vorbereitet sein.

Nach einer Berichterstattung gilt: Macht etwas draus! Die Aufmerksamkeit ist nun da. Veröffentlichte Beiträge könnt ihr über eure Social Media-Kanäle weiterverbreiten und im Pressebereich eurer Website verlinken. Außerdem solltet ihr mit Blick auf kommende Meilensteine eures Unternehmens den Kontakt mit den Journalisten gut, aber nicht aufdringlich pflegen.

Gründen ist wie eine Klippe runterspringen und im Fallen ein Flugzeug bauen.

Mark Kugel, Co-Founder & CCO yuri (Top 50 Start-ups 2020)

Fazit: Den Gewinn bestimmt ihr selbst

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ihr selbst bestimmt, wie viel ihr aus der Teilnahme an einem Gründerwettbewerb wirklich mitnehmt. Die Veranstalter ermöglichen euch nicht nur einen Zugang zu Preisgeldern und hochwertigen Sachpreisen. Den eigentlichen Profit könnt ihr aus den Netzwerkevents, individuellen Coachings, Mentorenprogrammen, Seminaren und Workshops ziehen. Das Wissen und Feedback, das ihr hier erhaltet, ist auf euer Konzept abgestimmt. Zumindest kostenfrei werdet ihr das in dieser Intensität nicht mehr erhalten.

Zudem solltet ihr die Faktoren Kontakte und Medienwirksamkeit nicht unterschätzen. So hat ein Gründerwettbewerb dem ein oder anderen Start-up auch schon den Zugang zu einem Investment verschafft und einen ordentlichen Schub in Sachen Bekanntheit gebracht.

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