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Statt Gipsverband passgenaue Orthesen aus dem 3D-Drucker

Berliner Start-up will Gips- und Stützverbände überflüssig machen.

Tino Jacobi ist ein Berliner Informatiktüftler. Nach mehreren erfolgreichen Jugend-forscht-Teilnahmen ist er mit 25 Jahren bereits zweifacher Firmengründer. Er und die Mitgründer seines jüngsten Start-ups, der 3D-Medico, entwickeln kostengünstig personalisierte Orthesen. Seit Januar 2021 werden sie über die Gründerwerkstatt Adlershof gefördert.

3D-Medico
Foto: WISTA Management GmbH

17 Mio. Unfälle und Erkrankungen im Jahr

3. Juni 2021. Soeben hat Tino Jacobi beim Start-up-Wettbewerb „Talents in Tech“ im Rahmen des Berlin Urban Tech Summit in der Malzfabrik in Berlin ge-picht und ging als Gewinner hervor. Der Gründer und Geschäftsführer von 3D-Medico überzeugte das Publikum mit einer Technologie, mit der er den Orthesen-Markt revolutionieren möchte. „Orthimale" heißt sein Produkt. Es handelt sich um eine individuelle, alltagstaugliche Stützmanschette, 3D-gedruckt.

Der Bedarf an Medizinprodukten, die zur Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur eines Körperteils angefertigt werden, ist riesig. „Über 17 Millionen Unfälle und Erkrankungen führen jährlich in Europa zu einer Behandlung mit Bandagen und Orthesen“, weiß Jacobi. Zu den Klassikern bei der Therapie gehört ein Gipsverband. Doch wer schon mal dergleichen angelegt bekam, kennt in der Regel auch die unangenehmen Seiten beim Tragen: Das reicht vom Jucken und Schwitzen über Hautreizungen bis zu Druckstellen durch störende Nähte und Kanten. Weil der Körperbau eines jeden Menschen anders ist, helfen hier personalisierte Lösungen mittels einem im 3D-Druck hergestellten Fabrikat. Diese Idee ist allerdings nicht neu und seit ein paar Jahren tummeln sich diverse Anbieter in der individuellen Orthopädietechnik.

Kostengünstig und zeitsparend

Was macht 3D-Medico jetzt besser? „Unsere Lösung ist kostengünstig, schonend und zeitsparend zugleich“, sagt Jacobi. Für die Herstellung der Heilmanschetten bedarf es nur drei Schritte. Zuerst wird ein 3D-Scan vom zu behandelnden Körperteil mittels eines Full-HD Smartphone-Videos gemacht. Über eine nutzerfreundliche 3D-Software wird daraus automatisch ein digitales Abbild berechnet. Mit ein paar Mausklicks können noch Länge, Form und Materialdicke konfiguriert werden, bevor das Produkt ortsnah im 3D-Drucker gefertigt wird. Der Scan ist mit jedem Gerät und von überall möglich, was ein großes Plus für Rehatechniker, Orthopäden und Orthopädietechniker ist. Die Patienten profitieren von einer Orthimale mit hohem Tragekomfort, atmungsaktiv und wasserbeständig, verstellbar und leicht, die nur einmal angepasst werden muss und viele Arztbesuche erspart.

Material is recycle- oder kompostierbar

Was für die Gründer außerdem wichtig war: „Unser Anspruch war es, ein Produkt zu entwickeln, das auch die Umwelt schont“, so Jacobi. Die für die Fertigung verwendeten Materialien sind daher recyclebar oder sogar kompostierbar. Mitten in der Pandemie wagten die Gründer von 3D Medico den Schritt in die Selbstständigkeit. Seit Dezember 2020 sind Tino Jacobi, Kamalaesh Uthayakumur und Georgios Bastakis im Programm der Gründerwerkstatt Adlershof. Sie erhalten ein einjähriges Stipendium, einen kostenlosen Platz im WISTA-Coworking-Space und viele gründungsrelevante Workshops und Coachings.

Beruflich ist Tino Jacobi, der momentan noch an der Beuth Hochschule für Technik Berlin Humanoide Robotik studiert, schon länger in Adlershof zu Hause. Bereits seit 2016 ist er mit seiner Firma Think3DDD im Coworking Space in der Rudower Chaussee am Start. Dort fertigte er in Kleinstserien und 3D Heilmanschetten für die Veterinärmedizin.

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