Beim Finanzmanagement schwören Start-ups immer noch auf Excel

Umfrage unter den Top 50 Start-ups zum Liquiditätsmanagement

Geld ist knapp. Das gilt besonders für Start-ups, die noch keine üppige Finanzierungsrunde stemmen konnten. Umso wichtiger ist es, die Liquidität im Auge zu behalten. Selbst wenn erste Umsätze sprudeln, heißt das noch lange nicht, dass das Geld rasch aufs Firmenkonto fließt. Denn oft verstreicht zwischen dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen und dem Eintreffen der Zahlung einige Zeit – manchmal auch so viel Zeit, dass die Liquidität gefährdet ist.

Wir haben die Top 50 Start-ups 2021 gefragt, wie sie mit der Liquiditätsproblematik umgehen. Die genannten Zitate sind sämtlich anonym, was wir den Teilnehmern zugesichert haben.

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Noch älter als Excel. (Photo by Evergreens and Dandelions on Unsplash)

1. 22 Prozent prüfen Liquidität nicht wöchentlich

Angesichts der Rolle, die die Liquidität für ein erfolgreiches Unternehmen spielt, schauen manche Start-ups doch eher selten auf den Kassenstand. Jeweils 10 Prozent gaben an, nur einmal im Monat oder zwei- bis dreimal im Monat ihre Liquidität zu prüfen. Ein Umfrageteilnehmer begnügt sich sogar damit, weniger als einmal im Monat in seine Kasse zu blicken.

Umgekehrt halten 22 Prozent der Top 50 Start-ups die Liquidität für so wichtig, dass sie diese täglich prüfen. Gut ein Drittel (34 Prozent) checkt die Liquidität mehrmals die Woche und weitere 22 Prozent zumindest einmal pro Woche.

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2. Liquiditätsplanung: mehr als Blick in die Kasse

Den Kontostand im Auge zu behalten, reicht noch längst nicht aus, um auch die Liquidität des Unternehmens in der Zukunft zu sichern. Neben einem möglichen Cashflow erhalten die meisten Start-ups ihr Geld von Venture Capital-Investoren. In seltensten Fällen zahlen diese ihre gesamte Investitionssumme sofort auf das Unternehmenskonto ein. Vielmehr fließt das Geld in Tranchen, die vom Erreichen bestimmter Meilensteine wie Umsatzziele oder Nutzerzahlen abhängen, wie sie im Beteiligungsvertrag festgelegt sind.

Doch was passiert, wenn ein Meilenstein verfehlt wird und die dringend benötigte Tranche ausfällt? Und dies alles vor dem Hintergrund, dass die meisten Start-ups wachsen wollen und daher steigende Ausgaben für Personal- und Sachkosten bewältigen müssen.

Von daher verwundert es kaum, dass exakt jedes zweite Top 50 Start-ups von seinem Finanzmanagement längerfristige Liquiditätsplanung verlangt. Dazu gehören auch Worst-Case-Szenarien wie etwa das Ausbleiben wichtiger Zahlungseingänge.

26 Prozent wünschen sich eine stärkere Automatisierung der Prozesse. Schließlich haben Start-up-Gründer meist mit multiplen Herausforderungen zu kämpfen, weshalb Zeit ein besonders rares Gut ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ein hoher Digitalisierungsgrad heute für junge Unternehmen eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte.

„Wir müssen die Zahlen noch automatisierter auswerten können“, forderte etwa ein Teilnehmer. „Automatisiertes Einladen der aktuellen Kontobewegungen und automatisiertes Erkennen von regelmäßigen Buchungen“, wünscht sich ein anderer. Der automatische Import von Kontodaten wurde gleich von mehreren Top 50 Start-ups gefordert.

Weitere 18 Prozent wünschen umfassendere Kontrollmöglichkeiten wie den Abgleich zwischen Soll- und Ist-Zahlen. Manche verlangen zusätzliche Hauptaufgaben. „Die Akquise der Finanzierung gehört bei uns dazu“, sagte etwa ein Teilnehmer. „Funding“ nannte ein anderer.

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3. Excel regiert immer noch die Liquiditätsplanung

So innovativ und disruptiv viele Top 50 Start-ups in ihrem Geschäft auch sind, herrschen im Finanzmanagement doch immer noch Excel- oder andere Tabellenkalkulationen vor. Bei fast drei Viertel (74 Prozent) der Start-ups basiert die Finanzplanung auf Excel. Weitere 8 Prozent verlassen sich auf „kein spezielles Programm“.

Nur jeweils 4 Prozent verwenden eine cloudbasierte oder eine auf einem lokalen Rechner installierte Lösung. 6 weitere Prozent stützen sich bei ihrem Finanzmanagement auf einen externen Anbieter. Zu diesen Lösungen zählen Flowpilot, Agicap, Datev und Fimovi.

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4. Hohe Zufriedenheit trotz unzureichender Tools

Obgleich die meisten Start-ups eher unzureichende Lösungen wie Excel für ihr Finanzmanagement nutzen, sieht doch die große Mehrheit offenbar keinen Handlungsbedarf. 46 Prozent sind mit ihrer Lösung „eher zufrieden“ und 12 weitere Prozent sogar „sehr zufrieden“. 38 Prozent gaben zumindest an, „weder zufrieden noch unzufrieden“ zu sein. „Eher unzufrieden“ zeigten sich lediglich 4 Prozent.

Die hohe Zufriedenheit mit unzureichenden Lösungen zeigt sich auch daran, dass eine deutliche Mehrheit (56 Prozent) in den kommenden zwölf Monaten keine Investitionen in eine neue Liquiditätsplanungs-Software vorsehen. 30 Prozent ziehen dies zumindest in Betracht und 14 Prozent planen tatsächlich eine solche Investition.

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5. Fazit: Ernüchterung und Hoffnung

Angesichts des hohen Selbstbewusstseins und der Wachstumsziele sorgt das vorherrschende Finanzmanagement auf Excel-Basis für Ernüchterung. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Tatsache, dass einige Top 50 Start-ups recht jung sind oder sich sogar noch in der Vorgründungsphase befinden und daher bislang keinen Bedarf für ein zeitgemäßes Finanzmanagement anmelden: „Wir stehen am Anfang − noch gibt es kein Geschäftskonto. Hier wird sich dieses Jahr einiges tun. Die Frage darf man allerdings nicht übergehen!“

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