Interview: Wie die optimale Bewerbung für den KfW Award Gründen 2021 aussieht

Der Countdown für einen der wichtigsten Gründerwettbewerbe in Deutschland läuft. Am 1. Juli endet die Bewerbungsphase für den KfW Award Gründen 2021. Wir haben mit Jurymitglied Elisabeth Leidinger von der NRW.BANK gesprochen, wie eine optimale Bewerbung aussieht und was Kandidaten immer mal wieder falsch machen.

Alle Details zum KfW Award Gründen 2021

Elisabeth Leidinger
Elisabeth Leidinger von der NRW.Bank ist Jurymitglied beim KfW Award Gründen 2021. (Foto: NRW.Bank)

Wie stellen Sie sich die optimale Bewerbung vor?

Besonders achten wir auf die Idee, allerdings im Kontext einer Unternehmensgründung. Es geht also um keinen Ideenwettbewerb als solchem, sondern es sollen sich junge Unternehmen präsentieren, die maximal fünf Jahre alt sein dürfen. Die Idee ist auf jeden Fall ganz wichtig und das Schlüsselwort ist Innovation. Dies wurde bis vor zwei, drei Jahren sehr technologisch und digital verstanden. Doch seither spielen soziale und ökologische Faktoren eine immer größere Rolle, was sich gut an den Preisträgern des vergangenen Jahres ablesen lässt:

Der Bundessieger Ooia kam aus Berlin und stellt Perioden- und Inkontinenzwäsche für Frauen her. Sie achten auf faire und ökologische Herstellung und sprechen ein gesellschaftliches Problem an, nämlich, dass Frauen in ihrem Alltag und ihrer Karriere durch Menstruation oder ältere Frauen durch Inkontinenz ausgebremst werden.

NRW-Sieger Oculavis aus Aachen beschäftigt sich mit Augmented Reality. Deren technologische Möglichkeiten sind wirtschaftlich und nachhaltig. Wenn ein deutscher Exporteur Anlagen z.B. nach Fernost liefert, kann er die Wartung dieser Anlagen durch Augmented-Reality-Lösungen unterstützen, ohne gleich Leute dorthin zu schicken. Damit werden nicht nur Reisekosten, sondern auch viel CO² eingespart. Somit besitzt die Lösung einen wichtigen Nachhaltigkeitseffekt.

Bracenet aus Hamburg hat den Sonderpreis für Social Entrepreneurship gewonnen. Sie stellen aus alten Fischernetzen, die als Abfall im Meer treiben, Armbänder her. Damit reinigen sie das Meer und generieren obendrein einen Nutzen für Leute, die Schmuck mögen, der eine gewisse Geschichte erzählt: „Ich habe dazu beigetragen, dass das Meer sauberer wird.“

An diesen Beispielen lässt sich ablesen, dass Teilnehmer des KfW Award Gründen ganz unterschiedliche Geschäftsideen vorstellen. Festhalten können wir: Zukunftsfähigkeit ist wichtig. Es geht um Innovation, technisch moderne Lösungen, neue Ansätze, Impact und auch um unternehmerischen Mut. Mich begeistern dabei die Vielfalt der Einreichungen und das kreative Potenzial.

Nun haben Sie viel über Nachhaltigkeit gesprochen, doch welche Rolle spielen wirtschaftliche Erfolgschancen? Schließlich stellt sich für jedes Start-up die Frage: Wie kann ich damit Geld verdienen?

Das ist auf jeden Fall wichtig. Wie gesagt, der Award Gründen ist ein Preis für Unternehmen und kein reiner Ideenwettbewerb. Im Bewerbungsformular gibt es einen Abschnitt für unternehmerische Kennzahlen.

Auch wenn ein Unternehmen noch in den Anlaufverlusten steckt, soll es diese auf jeden Fall angeben. Anlaufverluste darzustellen, ist ehrlich, nachvollziehbar und gehört zur Natur der Sache. Anlaufverluste weisen nicht darauf hin, dass das Unternehmen kein überzeugendes Geschäftsmodell entwickeln wird. Und darum geht es doch: die Jury von dem überzeugenden Geschäftsmodell zu überzeugen. Und das gelingt den Teilnehmern, wenn sie mir plausibel darstellen, was ihr Unternehmen tut, worin sein „Kick“ besteht, wie es sein Produkt herstellt, wer seine Kunden sind und wie sich damit Geld verdienen lässt. Im Grunde kann man die Bewerbung mit einem Investorenpitch vergleichen: „Das ist das Problem, das ist meine Lösung, das sind meine Kunden und das sind meine Zahlen, die ich schreiben werde.“

Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen: Die Unternehmen können sich auch mehrmals bewerben. Es ist nicht so, dass man nur einmal teilnehmen darf. Es gibt Preisträger, die beim zweiten oder dritten Anlauf erfolgreich gewesen sind.

Was machen Kandidaten beim Bewerbungsprozess regelmäßig falsch und wie verläuft der Pitching-Prozess genau?

Maßgeblich ist das ausgefüllte Bewerbungsformular der Teilnehmer. Die Jury besteht aus Bankern und weiteren Gründungsexperten, alle begeisterungsfähig und mit umfassender Erfahrung, die aber bei technologischen Ausführungen auch überfordert sein können. Daher ist es wichtig, dass Zweck, Geschäftsmodell, Produkt bzw. Dienstleistung griffig dargestellt werden. Wir empfehlen, dass Einreichende dies im Vorfeld jemanden präsentieren, der nicht zum Gründungsteam gehört, um sicherzustellen, dass sämtliche Facetten herüberkommen, die ihnen wichtig sind.

Wir bewerten die Teilnehmer nur auf Basis der Einreichung. Nur wenn bei einem vielversprechenden Konzept Fragen offenbleiben, versuchen wir das im direkten Austausch zu klären. Bei einem Mal kamen dabei Themen zur Sprache, die wichtig und relevant waren, aber nicht auf dem Papier standen. Dem Kandidaten war gar nicht bewusst, dass es sich für mich um eine wichtige Information handelte.

Ich kann allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen nur raten: Formulieren Sie Ihr Geschäftsmodell so, dass jeder es versteht. Wir in der Jury sind Finanzierungs- und Gründungsexperten, keine Spezialisten für Technik, Gesundheit oder anderes. Denen müssen Sie zeigen, worum es Ihnen eigentlich geht, welches die Highlights sind und welche Wirkungen das hat. Insbesondere wir Banker brauchen eine Geschichte. Dabei ist nicht wichtig, Technologien bis ins Detail zu erklären, sondern von der Wirkung zu überzeugen.

Uns erzählen Investoren regelmäßig: Gerade technologieorientierte Gründer denken sich eine Superlösung für ein Problem aus, ohne dabei zu ermitteln, ob die Leute dafür auch zu zahlen bereit sind.

Investoren, insbesondere für Wagniskapital, sind eine andere Zielgruppe. Wir als Jury des KfW Award Gründen sind keine Investoren. Es ist uns auf jeden Fall wichtig, dass transparent dargestellt wird, wer das Problem hat, wie die Lösung aussieht und ob die Menschen auch bereit sind, für die Lösung angemessen zu bezahlen. Aus Investorensicht fehlt dann die Skalierbarkeit, aber beim KfW Award Gründen steht diese nicht im Vordergrund. Wir müssen keinen Hockey-Stick-Chart sehen, wo die Erträge nach anfänglicher Seitwärtstendenz steil ansteigen. Wir wollen aber schon sehen, dass ein Unternehmen in der Lage ist, einen Markt zu erschließen, zu halten, Umsätze zu generieren und wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Letzte Frage: Worüber ärgern Sie sich am meisten, wenn Sie die Bewerbungen durchschauen?

Am meisten ärgere ich mich, wenn die unternehmerischen Kennzahlen nicht ausgefüllt sind, denn dies weist für mich auf einen Mangel an unternehmerischer Kompetenz hin. Manche fürchten, dass Anlaufverluste ein schlechtes Licht auf sie werfen und ihre Chancen verringern. Wie schon gesagt, das ist nicht der Fall und führt eher dazu, dass ich mich unzureichend informiert fühle, wenn da nichts steht.  

Das Bewerberformular ist wirklich sehr eindeutig gestaltet und führt, so wie ich denke, die Teilnehmer gut durch alle Informationsbedarfe. Empfehlen kann ich nur noch einmal, den eigenen Beitrag durch die Brille eines anderen lesen und verstehen zu lassen, um sicher zu gehen, dass alles richtig ankommt.

Direkt zur Anmeldung für den KfW Award Gründen 2021

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